„Green IT“ und wie wir uns selbst belügen.
Ja, ganz richtig gelesen. Wir belügen uns jeden Tag selbst. Alle sprechen davon, die Umwelt zu schonen und das Klima retten zu wollen. Gleichzeitig stellen wir jeden Tag unzählige und vollkommen unnütze Fragen an die KI, und lassen unnütze Bilder oder Videos erstellen.
Gegen KI (oder AI) ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn es um wirklich sinnvolle Anfragen geht. Jedoch werden jeden Tag Millionen (wenn nicht sogar Milliarden) Anfragen an die mittlerweile unüberschaubare Flut an KI-Modellen gestellt, die einfach nur sinnlos sind.
Hier mal ein paar Daten zum Stromverbrauch der weltweiten KI-Nutzung pro Tag. (Die folgenden Daten sind lediglich Schätzungen):
Eine einzelne Anfrage für eine Text- oder Bildgenerierung per KI verbraucht ca. 2,9 Wattstunden (Wh).
Alleine der Chatbot „ChatGPT“ verbraucht bei Hunderten Millionen täglicher Anfragen weit mehr als 500.000 Kilowattstunden (kWh) pro Tag. Das ist der ungefähre Verbrauch von ca. 10.000 Haushalten pro Tag.
Weltweit könnte der Stromverbrauch, der für alle KI-Server täglich bereitgestellt werden muss, bei 30 bis 40 Gigawatt (GW) liegen.
Okay, diese Zahlen sagen Ihnen wahrscheinlich recht wenig. Dann wollen wir das etwas vereinfacht darstellen.
Die weltweite digitale Infrastruktur (KI-Server, Krypto-Mining, Cloud-Speicher und Streaming) schluckt jeden Tag exakt so viel Strom wie ganz Deutschland (1,2 bis 1,3 Milliarden Kilowattstunden).
Lassen wir diese unglaublichen Zahlen mal etwas sacken.
Aber Moment mal: Bis zum Jahr 2030 wird sich diese Zahl sogar noch verdoppeln. Und das nur, damit uns eine KI sagt, wie wir einen Kuchen backen sollen, unsere Wäsche richtig waschen oder was ich bei Zahnschmerzen unternehmen soll. Von den Tausenden, wenn nicht sogar Millionen lustigen Katzenvideos, die die KI jeden Tag für uns erstellt, damit wir mehr Klicks auf unseren Sozial-Media-Plattformen erhaschen, gar nicht erst zu sprechen. Eine Liste für sinnlose und aus Langeweile erstellte KI-Inhalte bereitzustellen, wird selbst für KI schlichtweg nicht möglich sein.
Jeden Tag erfahren wir von unseren Vereinsmitgliedern, wie diese mit KI umgehen. Von Technikfragen über Backrezepte oder „Wie wird das Wetter heute“ bis zu Fragen der Gesundheit, die nun wirklich in die Ohren eines Arztes gehören, wird mittlerweile alles, aber wirklich alles der KI anvertraut. Immer in der Hoffnung, dass diese schon keinen Fehler machen würde.
Komisch ist nur, dass wir uns vor Anfragen nicht retten können, da die KI eins nicht besitzt: jahrelange Erfahrung.
Wir hören immer häufiger: „Ich habe erst einmal die KI gefragt, bin aber irgendwie nicht weitergekommen.“
Unsere menschliche Erfahrung löst fast jedes Problem, indem wir zuhören und die richtigen Fragen stellen.
Bei diesem Beitrag geht es aber mehr darum, dass wir uns selbst belügen, weil wir einerseits Energie sparen möchten, uns aber überhaupt nicht darüber im Klaren sind, dass wir die Umwelt mit jeder Anfrage an eine KI immer weiter schädigen.
Sollten wir für ein Backrezept nicht lieber unsere Mutter oder Oma anrufen und hätten gleichzeitig auch noch etwas für die zwischenmenschlichen Beziehungen getan?
Müssen wir denn wirklich die KI fragen, wie man selbst Strom sparen kann, um die Umwelt zu entlasten?
Sollten wir nicht lieber eine Katze aus dem Tierheim adoptieren, als künstlich generierte Videos von den kleinen Fellnasen zu erstellen?
Warum kontaktiere ich nicht direkt den Kölner PC Freunde e. V., wenn es um eine Computerfrage geht, anstelle stundenlang mit einer KI zu sprechen, der Lösung aber nicht wirklich näher zu kommen?
Jede Anfrage kostet immerhin ca. 2,9 Wattstunden. Denken Sie mal nach und fragen Sie sich selbst, wie viele Anfragen sinnvoll oder sinnlos sind.
In diesem Sinne.
Ihr KPCF-Team
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